Die Fertigungsindustrie tritt in ein entscheidendes neues Kapitel ein – eines, das nicht durch inkrementelle Verbesserungen, sondern durch eine grundlegende Neuausrichtung der Art und Weise, wie Werke planen, arbeiten und im Wettbewerb stehen, gekennzeichnet ist.

Warum das wichtig ist:

  • Globale Lieferketten sind volatiler geworden.
  • Arbeitskräfte sind schwerer zu finden und weiterzubilden.
  • Die Erwartungen an Nachhaltigkeit verlagern sich von der Berichterstattung hin zu konkreten operativen Verpflichtungen.
  • Der Technologie-Stack – KI, Automatisierung, Konnektivität – ist endlich so weit ausgereift, dass er Geschwindigkeit, Präzision und Ausfallsicherheit gleichzeitig bietet.

Fazit:  Hersteller, die Intelligenz, Anpassungsfähigkeit und Daten als zentrale Betriebsprinzipien und nicht als nachträglich hinzufügbare Fähigkeiten betrachten, werden gewinnen.

1. KI-native Operationen sind da

Jahrelang beschränkte sich der Einsatz von KI in der Fertigung auf vereinzelte Pilotprojekte und Machbarkeitsstudien. Diese Ära ist vorbei. KI dringt aus dem Labor in die Produktionshallen vor und wird zum Rückgrat industrieller Entscheidungsfindung.

Hersteller fragen sich nicht mehr, ob KI einen Mehrwert bietet, sondern wie schnell sie diese skalieren können. Von der vorausschauenden Qualitätssicherung bis zur dynamischen Produktionsplanung ist KI mittlerweile in zentrale Arbeitsabläufe integriert und ermöglicht Echtzeitoptimierung und erhöhte Ausfallsicherheit.

  • Agentic AI wird heute in den Bereichen Diagnostik, Qualitätssicherung, Terminplanung, Beschaffung und Tarifsimulationen eingesetzt.
  • Die Entwicklung von Robotern, Cobots und Bildverarbeitungssystemen mit „physikalischer KI“ schreitet rasant voran. Bis 2027 wird eine Verdopplung der Marktdurchdringung erwartet ( OEM Magazine, 2025 ).

Fazit:  KI ist kein Experiment mehr. Sie entwickelt sich zum Betriebssystem für industrielle Entscheidungsprozesse.

2. Lieferketten werden regionaler und intelligenter.

Die Reregionalisierung gewinnt an Dynamik. Das Einheitsmodell der Globalisierung weicht regionalisierten, resilienten Netzwerken. Hersteller überdenken ihre Beschaffungsstrategien, um geopolitische Risiken und Zollschwankungen abzufedern.

  • Geopolitische Risiken, Tarifvolatilität und Anreize ( CHIPS-Gesetz ,  EU-Chips-Gesetz ) treiben den Wandel voran.
  • Dual-Sourcing, Lieferantendiversifizierung und hyperlokale Netzwerke gewinnen an Bedeutung.
  • KI-gestützte Netzwerkmodellierung hilft Herstellern, Risiken zu simulieren und die Beschaffung zu optimieren.
  • Halbleiter führten die Reshoring-Welle an, gefolgt von EV-Batterien und Leistungselektronik ( Reshoring Initiative, 2023 ).

Fazit: Die Lieferkette der Zukunft ist lokal, digital und intelligent.

3. Nachhaltigkeit wird zum Betriebssystem

Nachhaltigkeit ist heute eine zentrale Priorität für Unternehmen. Hersteller integrieren umweltfreundliche Praktiken in alle Bereiche ihrer Geschäftstätigkeit, von der Materialbeschaffung bis zur Energieoptimierung. Im Jahr 2026 wird es bei Nachhaltigkeit nicht mehr nur um Berichterstattung gehen, sondern um operative Exzellenz.

  • 88 % der Hersteller geben an, dass nachhaltige Produktion „wichtig oder unerlässlich“ sei ( CommBank, 2023).
  • Grüne Werkstoffe wie SSAB Zero™ Stahl finden zunehmend Anwendung in der Automobil-, Bau- und Schwerindustrie ( Volvo Cars & SSAB, 2025 ).
  • KI-gestützte Energieoptimierung, Kohlenstoffmodellierung und Lebenszyklusanalyse sind in die Planung integriert.

Warum das wichtig ist:  Nachhaltigkeit ist heute untrennbar mit Effizienz, Markenwert und Resilienz verbunden. Sie ist keine Option mehr.

4. Die Arbeitswelt verändert sich rasant. 

Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderungen für die Fertigungsindustrie. Technologie kommt zum Einsatz, nicht um Arbeitskräfte zu ersetzen, sondern um ihre Fähigkeiten zu erweitern und die Einarbeitung zu beschleunigen.

  • 65 % der Hersteller haben Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden ( NPR, 2025 ).
  • Plattformen für vernetzte Mitarbeiter gewinnen an Bedeutung und integrieren privates 5G, AR/VR, digitale Standardarbeitsanweisungen und Echtzeit-Coaching ( Market.us, 2025 ).
  • Künstliche Intelligenz erfasst Stammeswissen und generiert Standardarbeitsanweisungen, um das Onboarding zu beschleunigen.
  • Flexible Arbeitsmodelle („selbst bauen, kaufen, leihen“) werden zum Standard ( SHRM, 2025 ). 

Fazit:  Technologie erweitert die menschlichen Fähigkeiten, ersetzt sie aber nicht. Der Fachkräftemangel ist jedoch real.

5. Der Technologie-Stack ist bereit

Nach jahrelangen Experimenten ist der industrielle Technologie-Stack ausgereift. Technologien, die einst noch erforscht wurden, sind heute in die täglichen Arbeitsabläufe integriert – KI, digitale Zwillinge, Edge Computing und Robotik sind nicht länger futuristisch, sondern grundlegend. 

Industrielle KI- und Multiagentensysteme

  1. Generative KI unterstützt Design, Qualitätsvorhersage, Terminplanung und Dokumentation.
  2. Geschlossene Optimierungssysteme erzielen OEE-Gewinne von 10–20 % und reduzieren ungeplante Ausfallzeiten um 20–40 % ( LLumin, 2025 ;  Siemens, 2023 ).

Digitale Zwillinge & Simulation

  1. Bis 2026 werden über 50 % der großen Industrieunternehmen digitale Zwillinge einsetzen ( Gartner, 2025 ).
  2. Plattformen wie Siemens Xcelerator und NVIDIA Omniverse ermöglichen eine umfassende Planung und MES-basierte Optimierung. ( Siemens, 2023 ).

Edge Computing + Privates 5G

  1. Ermöglicht Anwendungen mit extrem niedriger Latenz: maschinelles Sehen, AMR-Orchestrierung, AR-gestützte Montage.
  2. Wichtigste Anwendungsfälle: Lösungen wie  Wipros InspectAI  ermöglichen vorausschauende Wartung, Echtzeitanalysen und die Unterstützung durch Experten aus der Ferne. 

Robotik der nächsten Generation

  1. Die Zahl der jährlichen Installationen von Industrierobotern hat sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt und wird bis 2028 die Marke von 700.000 überschreiten ( International Federation of Robotics ).
  2. Cobots und AMRs dominieren das Wachstum; humanoide Roboter befinden sich noch im Pilotstadium.
  3. KI-gestützte Robotik treibt Massenindividualisierung und adaptiven Materialfluss voran.

Additive Fertigung und fortschrittliche Werkstoffe

  1. Die additive Fertigung von Metallen hält Einzug in die Serienproduktion in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Energie und Automobil ( Strategic Revenue Insights, 2025 ).
  2. Hochentropielegierungen, Verbundwerkstoffe und Hybrid-Druckverfahren gewinnen zunehmend an Bedeutung ( EPSRC HEAT-AM, 2024 ). 

OT-Cybersicherheit und Zero-Trust-Architekturen

  1. 96 % der Hersteller planen, in OT-Cybersicherheit zu investieren ( Rockwell Automation, 2025 ).
  2. Zero-Trust-Modelle, von Grund auf sichere SPS-Systeme und KI-gestützte Bedrohungserkennung werden immer wichtiger.

Hersteller verfügen nun über die Werkzeuge, um Intelligenz, Automatisierung und Vernetzung in einem einzigen adaptiven System zu vereinen. Von vorausschauender Wartung bis hin zu immersiver Planung – diese Technologien ermöglichen messbare Effizienz- und Resilienzsteigerungen.

Wie geht es weiter? Die Wettbewerbslücke vergrößert sich.

Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt.

  • Digitale Zwillinge breiten sich von Pilotprojekten mit nur einer Leitungsebene hin zu Unternehmensplattformen aus.
  • Nachhaltigkeit entwickelt sich zu einem Betriebssystem.
  • Die Cybersicherheit im Bereich der OT (Operational Technology) wandelt sich von der IT-Hygiene hin zur Produktionsresilienz in Echtzeit.

Die nächste Phase der Fertigung wird Organisationen belohnen, die Intelligenz, Automatisierung und menschliche Fähigkeiten in einem einzigen, adaptiven Betriebsmodell vereinen.

Und diejenigen, die das nicht tun? Die werden weiterhin Pilotprojekte durchführen müssen, während die Konkurrenz ihre Leistungssteigerungen kontinuierlich ausbaut.

2. Supply Chains Go Local and Smarter

Re-regionalization is gaining momentum.  Globalization’s one-size-fits-all model is giving way to regionalized, resilient networks. Manufacturers are rethinking sourcing strategies to mitigate geopolitical risk and tariff volatility.

  • Geopolitical risk, tariff volatility, and incentives (CHIPS ActEU Chips Act) are driving change.
  • Dual-sourcing, supplier diversification, and hyperlocal networks are rising.
  • AI-driven network modeling is helping manufacturers simulate risk and optimize sourcing.
  • Semiconductors led the reshoring wave, with EV batteries and power electronics following (Reshoring Initiative, 2023).

Takeaway: The supply chain of the future is local, digital, and intelligent.

3. Sustainability Becomes the Operating System

Sustainability is now a core business priority. Manufacturers are embedding green practices into every layer of operations, from material sourcing to energy optimization. In 2026, sustainability won’t just be about reporting, it’s about operational excellence.

  • 88% of manufacturers say sustainable manufacturing is “important or essential” (CommBank, 2023).
  • Green materials like SSAB Zero™ steel are scaling across automotive, construction, and heavy industry (Volvo Cars & SSAB, 2025).
  • AI-based energy optimization, carbon modeling, and lifecycle analysis are embedded in planning.

Why it matters: Sustainability is now tied to efficiency, brand, and resilience. It’s not optional.

4. The Workforce Is Changing Fast 

The talent gap remains one of manufacturing’s biggest challenges. Technology is stepping in, not to replace workers, but to augment their capabilities and accelerate onboarding.

  • 65% of manufacturers struggle to find qualified workers (NPR, 2025).
  • Connected worker platforms are scaling, integrating private 5G, AR/VR, digital SOPs, and real-time coaching (Market.us, 2025).
  • AI is capturing tribal knowledge and generating SOPs to accelerate onboarding.
  • Flexible labor models (“build, buy, borrow”) are becoming standard (SHRM, 2025). 

Bottom line: Technology is augmenting, not replacing human capability. But the talent gap is real.

5. The Tech Stack Is Ready

After years of experimentation, the industrial tech stack has matured. Technologies that were once exploratory are now embedded in daily workflows--AI, digital twins, edge computing, and robotics--are no longer futuristic, they’re foundational. 

Industrial AI & Multi-Agent Systems

  1. Generative AI powers design, predictive quality, scheduling, and documentation.
  2. Closed-loop optimization systems show 10–20% OEE gains and 20–40% fewer unplanned downtimes (LLumin, 2025Siemens, 2023).

Digital Twins & Simulation

  1. Over 50% of large industrial firms will use digital twins by 2026 (Gartner, 2025).
  2. Platforms like Siemens Xcelerator and NVIDIA Omniverse enable immersive planning and MES-connected optimization. (Siemens, 2023).

Edge Computing + Private 5G

  1. Enables ultra-low-latency apps: machine vision, AMR orchestration, AR-guided assembly.
  2. Key use cases: Solutions like Wipro’s InspectAI allow for predictive maintenance, real-time analytics, and remote expert assistance. 

Next-Gen Robotics

  1. Annual industrial robotic installations have doubled over the last decade and will surpass 700,000 by 2028 (International Federation of Robotics).
  2. Cobots and AMRs dominate growth; humanoids remain in pilot stage.
  3. AI-enabled robotics drive mass customization and adaptive material flow.

Additive Manufacturing & Advanced Materials

  1. Metal AM is moving into production-scale use in aerospace, energy, and automotive (Strategic Revenue Insights, 2025).
  2. High-entropy alloys, composites, and hybrid printing are gaining traction (EPSRC HEAT-AM, 2024).

OT Cybersecurity & Zero-Trust Architectures

  1. 96% of manufacturers plan to invest in OT cybersecurity (Rockwell Automation, 2025).
  2. Zero Trust models, secure-by-design PLCs, and AI-enhanced threat detection are becoming mandatory.

Manufacturers now have the tools to unify intelligence, automation, and connectivity into a single adaptive system. From predictive maintenance to immersive planning, these technologies are driving measurable gains in efficiency and resilience.

What’s Next: The Competitive Gap Widens

2026 marks an inflection point.

  • Digital twins are expanding from single-line pilots to enterprise platforms.
  • Sustainability is evolving into an operating system.
  • OT cybersecurity is transitioning from IT hygiene to real-time production resilience.

The next phase of manufacturing will reward organizations that unify intelligence, automation, and human capability into a single, adaptive operating model.

Those that don’t? They’ll be stuck running pilots while competitors compound performance gains.

Über die Autoren

Naveen Gupta
Senior Partner, Chemicals Consulting 

Jignesh Patel
Partner, Industrieberatung