Der Einzelhandel steht heute vor einer gewaltigen Herausforderung: in einem Markt voller Alternativen dauerhafte Kundenbindung aufzubauen. Die Generation Z und die Millennials, bekannt für ihre geringe Markenbindung, treiben einen Wandel voran, bei dem der Erfolg von herausragenden Produkten, wettbewerbsfähigen Preisen und wertvollen Serviceleistungen abhängt – und das alles ohne Kompromisse bei der Rentabilität. Um dieses sensible Gleichgewicht zu erreichen, bedarf es einer integrierten, datengestützten Planung, eines resilienten Betriebs und personalisierter Kundenansprache.

Im Jahr 2026 werden sieben Megatrends die Einzelhandelslandschaft verändern: Agentic AI Pilot Across the Value Chain, dialogorientierter Handel mit Gen AI, In-Store-Medien im Einzelhandel, KI-gestützte Personalisierung in großem Umfang, einheitliche KI-Planung, intelligente Geschäfte mit KI und IoT sowie robotergestützte Lagerautomatisierung.

Sich wandelnde Erwartungen: Der Wandel zum vernetzten Einzelhandel

Angesichts des starken Margendrucks und der sich wandelnden Kundenerwartungen setzen Einzelhändler verstärkt auf vernetzte Technologie-Ökosysteme. Diese Transformation ermöglicht reibungslose und effiziente Abläufe, die für die Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich sind.

1. Pilotprojekt für agentenbasierte KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Agentic AI unterstützt bereits reale Geschäftsprozesse durch die Automatisierung von Arbeitsabläufen, die Steigerung der Mitarbeiterproduktivität und die Erhöhung der Effizienz. Einzelhändler wie Walmart nutzen diese Technologie für Handel und Kundenservice, und es wird erwartet, dass sich dieser Trend von den Forschungslaboren in die Serienproduktion ausbreitet. Einzelhändler sollten zunächst mit Anwendungsfällen mit hohem ROI beginnen, die häufige, automatisierbare Aufgaben umfassen, eine solide Datenverwaltung etablieren und KI-gestützte Pilotprojekte einsetzen, bevor sie die Automatisierung skalieren. Beispielsweise nutzte ein US-amerikanischer Elektronikhändler Agentic AI, um den Filialbetrieb zu steuern und die Aufgabenverteilung zu automatisieren, was zu einer verbesserten Produktivität führte.

2. Konversationeller Handel mit Gen AI

Conversational Commerce mit Gen AI revolutioniert die Produktsuche: von schlüsselwortbasierten Suchen hin zu natürlichen Dialogen. Durch ein besseres Verständnis der Kundenabsicht werden die Konversionsraten gesteigert. Google integriert diese Technologie bereits stark in den Shopping-Bereich, und es wird erwartet, dass bis 2026 weitere Einzelhändler die Gen AI-gestützte, dialogbasierte Produktsuche einsetzen werden. Einzelhändler müssen kontextsensitive Gen AI-Suchmaschinen nutzen, die mit strukturierten Produktdaten trainiert wurden. So konnte beispielsweise ein dialogbasierter Proof of Concept einem Elektronikhändler helfen, Konversionen und den Bestellwert durch natürlichsprachliche Anfragen zu steigern.

3. Medien im stationären Einzelhandel

In-Store-Medien im Einzelhandel monetarisieren Werbeflächen und beeinflussen Kaufentscheidungen durch digitale Displays. Hershey nutzt gezielte Kampagnen über Mediennetzwerke im Einzelhandel. Während Online-Medien im Einzelhandel weit verbreitet sind, werden für 2026 voraussichtlich mehr Pilotprojekte für In-Store-Mediennetzwerke erwartet. Unternehmen müssen den ROI für digitale Beschilderung und Mediennetzwerke im Einzelhandel bewerten, zielgruppenbasierte Pakete entwickeln und First-Party-Daten zur Erfolgsmessung nutzen. Beispielsweise konnte eine nordamerikanische Sportmarke durch dynamische Beschilderung Engagement und Umsatz steigern.

4. KI-gestützte Personalisierung in großem Umfang

KI-gestützte Personalisierung im großen Stil steigert Kundenbindung und Kundenwert durch personalisierte Echtzeit-Erlebnisse. Die App einer Kaffeekette nutzt KI für personalisierte Angebote, und Einzelhändler werden Hyperpersonalisierung und KI-gestützte Experimente voraussichtlich bis 2026 deutlich ausweiten. Dafür müssen sie zentrale Kundendatenplattformen und kontinuierliche KI-gestützte A/B-Tests einsetzen. So konnte beispielsweise eine globale Marke für Haushaltsgeräte durch hyperpersonalisierte digitale Erlebnisse den durchschnittlichen Warenkorbwert um 130 % steigern und eine Million Kunden gewinnen.

5. Einheitliche KI-Planung

Die einheitliche KI-Planung reduziert Ineffizienzen in den Bereichen Warenwirtschaft, Lieferkette und Finanzen durch den Einsatz KI-gestützter Planung. Estée Lauder ist ein Beispiel für diesen Trend: Als globale Luxusmarke nutzt sie die einheitliche Bedarfs-, Angebots- und Finanzplanung über O9. Es wird erwartet, dass im Jahr 2026 mehr Einzelhändler die einheitliche KI-Planung einführen werden als im Jahr 2025. Die Unternehmen müssen in einheitliche Plattformen investieren und die funktionsübergreifende Zusammenarbeit durch gemeinsame KI-Prognosen fördern. So konnte beispielsweise ein US-amerikanischer Lebensmittelgroßhändler Lagerkosten und Fehlbestände reduzieren und gleichzeitig den Umsatz steigern.

6. Intelligente Geschäfte mit KI und IoT

Intelligente Geschäfte mit KI und IoT ermöglichen Echtzeitoptimierung, reduzieren Inventurdifferenzen, verbessern das Kundenerlebnis und steigern die Produktivität. Walmart nutzt KI-Kameras, um Fehler an der Kasse zu minimieren. Unternehmen müssen mit renditestarken Anwendungsfällen im Bereich Computer Vision beginnen, Datenschutz gewährleisten und Edge-Infrastruktur für Echtzeitwarnungen bei Warteschlangenüberlastung, verdächtigem Verhalten und leeren Regalen einsetzen. So konnte beispielsweise eine Luxusmarke den Kundenfluss optimieren und die Anzahl der abgebrochenen Warteschlangen reduzieren, was zu höheren Umsätzen führte.

7. Robotergestützte Lagerautomatisierung

Die robotergestützte Lagerautomatisierung übernimmt mittlerweile komplexe Aufgaben in Distributionszentren und ist damit unerlässlich für eine schnelle und präzise Auftragsabwicklung. Amazons Blue Jay optimiert die Sortierung. Unternehmen müssen ihre Prozesse analysieren, um Automatisierungspotenziale zu identifizieren und zunächst mit robotergestützten Systemen (Cobots) zu beginnen, um die Einführung zu erleichtern und schrittweise zu skalieren. So testete beispielsweise eine Marke im Bereich Konsumgüter den Einsatz von Drohnen zur Bestandszählung für autonome Inventurprüfungen, wodurch der Betrieb aufrechterhalten und Kosten gesenkt werden konnten.

Warum es wichtig ist

Wer diese Trends ignoriert, riskiert existenzielle Gefahren durch steigende Kosten und ein unzusammenhängendes Kundenerlebnis. Er verpasst möglicherweise lukrative Umsatzchancen durch In-Store-Werbung, kämpft mit ineffizienten Abläufen und veralteten Arbeitsabläufen und erreicht nicht die Generation Z und die Millennials, die ein interaktives und personalisiertes Einkaufserlebnis erwarten. Ein Rückstand gegenüber Wettbewerbern, die intelligente, selbstlernende Geschäfte aufbauen, kann die Marktposition weiter schwächen.

Der Leitfaden für Führungskräfte im Jahr 2026

Um im Jahr 2026 eine führende Rolle einzunehmen, müssen Einzelhändler Folgendes tun:

  • Fokus und Skalierung: Priorisieren Sie 2-3 Trends mit hohem ROI und erstellen Sie unternehmensweite Rollout-Pläne. 
  • Datensilos aufbrechen: Einen nahtlosen Datenfluss zwischen Planung, Filialen und digitalen Kanälen ermöglichen. 
  • Schaffen Sie eine KI-fähige Datengrundlage: Behandeln Sie saubere, integrierte Daten als strategisches Gut. 
  • Verankern Sie Erklärbarkeit und Mensch-Maschine-Interaktion in KI: Fördern Sie intelligente Zusammenarbeit und kontinuierliches Lernen. 
  • Menschen durch Veränderungsmanagement befähigen: Teams umschulen, damit sie effektiv mit KI und Automatisierung arbeiten können.

Fazit

Die Zukunft des Einzelhandels ist intelligent, immersiv und automatisiert. KI-Systeme werden den Betrieb steuern, KI der nächsten Generation wird das Einkaufs- und Entdeckungsverhalten der Kunden grundlegend verändern, und Retail Media wird Geschäfte in wahre Umsatzmaschinen verwandeln. Personalisierung wird sofort, vorausschauend und allgegenwärtig sein, während eine einheitliche Planung Silos aufbricht und Agilität ermöglicht. Intelligente Geschäfte werden in Echtzeit erfassen, reagieren und optimieren, und Robotik wird die Auftragsabwicklung im großen Stil ermöglichen. Einzelhändler müssen schnell handeln, präzise agieren und zielgerichtet skalieren, sonst riskieren sie, den Anschluss zu verlieren.

Über die Autoren

Faraz Ghani
Partner bei Wipro Consulting

Prit Mukherjee
Geschäftsführender Berater, Wipro Consulting